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21.03.2005
HÖLLE HÖLLE HÖLLE – WOLFGANG P. - CROONER DES TEUFELS?





Geschätzte Leserinnen und Leser!
Unser Satanismus-Vorwurf an die Adresse von Schlager-Terrorist Wolfgang Petry (s. vorletzter Weblog-Eintrag) sorgt offenbar für erheblichen Wirbel. Uns erreichte ein Trommelfeuer der Protest-Mails von Anhängern des ruhrpöttelnden Kanalrattenfängers. „Ihr seid die wahren Teufelsdiener“, schallt es hundertfach aus den Sudelbriefen, und: „Euch drehen wir den Ketzer-Hals um!“ „Noli me tangere“, antworten wir da in biblischer Gelassenheit. Und bitten zu notieren: Unsere Ausführungen entspringen nicht der konträren Haltung einer streitsüchtigen Konfession, sondern sind durch und durch säkularer Natur. Unsere Abteilung beschäftigt allenfalls Agnostiker und bekennende Bausparer wie mich und Special Agent Volker. Religiöse Dispute kümmern uns überdies herzlich wenig, wenn wir musikalischen Geisterfahrern wie Wolle Petry rhetorisch in die Reifen schießen.
Viel mehr als solcherlei Drohbrief-Gewäsch machen uns aber die Zuschriften aus den Reihen der Sozialpädagogen-Zunft betroffen, die entweder auf naive Weise den Schlager-Popen zum misshandelten Teddybär verklären oder mit Adorno im Schlepptau von der Freiheit der Kunst schwafeln. Bei so viel Ahnungslosigkeit muss die Musikpolizei die Kelle ziehen und zum intellektuellen Röhrchenblasen bitten.
Atmen Sie bitte einmal tief durch und lassen folgende Zeilen auf sich wirken:
„Der Himmel brennt - Die Engel fliehn
Wir sind durch Rauch und Feuer getrennt
ich werde warten, bis ich verbrenn
Der Himmel brennt - Die Engel fliehn
Und ich erstick in schwarzen Wolken
Mein Fehler war, ich hab geglaubt
du wirst mir ins Feuer folgen
doch der Himmel den wir wollten
der Himmel brennt“
Wer jetzt die frisch gepinselte Apokalüpse eines Hieronymus Bosch vor Augen hat oder Runen-Tätowierungen auf Rammsteinschen Schulterblättern glühen sieht, liegt gänzlich falsch. Diese Verse sind wortgetreu dem Wolfgang Petry-Album „Alles“ entnommen. Auch uns rutschte fast der FBI-Kaffeebecher aus der Hand, als dieser satanistische Auswurf in Frakturschrift auf unserem Bildschirm erschien. Allerdings wollen wir uns nicht auf die feige Schelte säumiger FSK-Beamter herablassen, sondern appellieren an den Common Sense der gefassten Öffentlichkeit. Die mag auch folgenden kleinen Vierzeiler unvoreingenommen betrachten:
„Seit Tagen steh ich vor deiner Tür
Der Mond ist heute voll
und leider bin ich s auch
Heute nacht werde ich zum Tier“
Dies ist mitnichten das Gesellenstück eines betrunkenen Steinmetz an der Gartenmauer seiner Angebeteten – sondern unzensierte Petry-Poesie, einsehbar in jedem Media-Markt. Die grobschlächtige Metrik sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein Seelenfänger dunkelster Gesinnung am Werk ist, der im Traume schon mit Tausenden von Wiedergängern auf Recklinghausen zumarschiert. Dies abzuwenden sollte jedem aufgeklärten Musikliebhaber eine Herzensangelegenheit sein, denn das musikalische Gewand, in das diese satanischen Schlager-Verse gebettet sind, ist gewiss das Faulste, was sich aus der Tonleiter des Schreckens zusammenpanschen lässt. Hier sollte zügig und unbürokratisch die Sterbehilfediskussion neu aufgerollt werden, damit all jene von Weltekel Geplagten, die das Reich des Todes so vehement beschwören, ruhig mal einen Blick in den Hades werfen können. Ohne Zweifel dürften die meisten von ihnen schon bald als geläuterte Bausparer der Gruft entsteigen und fortan dem Schlachtengebrüll des Wolfgängers Petry den Rücken kehren. Wenn sich dann der Vorstadt-Manson an seinen Freundschaftsbändern erhängt hat, ist die Welt erneut im Gleichgewicht und OBI kann die Grabengel wieder aus dem Programm nehmen. Kille kille kille!
19.11.2004
Dieser Artikel erscheint in der Dezember-Ausgabe 2004 des „TagesSatz“. Das ist das Straßenmagazin für Göttingen und Kassel. (www.tagessatz.de)





POP - DIE MÄNNLICHE MOGELPACKUNG

Ja, Popmusik ist eine Mogelpackung. Sie prahlt mit gesellschaftlichen und modischen Gegenentwürfen oder gar mit emanzipatorischen Impulsen. Aber wenn man ehrlich ist, hat es seit Woodstock politisch und sexuell nicht mehr richtig gekracht. Mögliche Ursache: Der ganze Musikbetrieb ist Männersache.

Keine Kunst wandelt und entwickelt sich so schnell wie die Popmusik. Von jetzt auf gleich entstehen neue Beats, verschmelzen konträre Stilarten und werden neue Helden geboren. Die rastlosen Bilderwelten von MTV und VIVA flimmern und fiepen wie ein lebender Organismus, der sich bei fortlaufender Zellteilung täglich erneuert. Das glänzt alles so neu, so frisch, so modern - fast übersieht man, dass der Pop weit hinter dem zurückbleibt, was man ihm an gesellschaftlich erneuernder Kraft zutraut.
Bis auf wenige Ausnahmen haben allerorts Männer die Kontrolle in der Popmusik. Dabei schocken weniger die männlich besetzten Chefsessel bei EMI, Universal oder BMG. Musik ist ein Business wie jedes andere, und da lassen sich die Männer bekanntlich nicht reinreden. Alarmierender ist schon, dass unter den stilprägenden Künstlern einer Musikrichtung nie Frauen zu finden sind und allgemein weibliches Erleben jenseits von „you make me hot“ in der Popmusik völlig unterrepräsentiert ist. Nach wie vor machen die Männer ihr eigenes Ding. (Den lebensfrohen Sexismus amerikanischer Ghetto-Rapper klammern wir hier mal ganz aus.) Bands mit geschlechtlicher fifty-fifty Besetzung sind rar. Lediglich Frontfrauen von Rockbands prägen seit einigen Jahren das Straßenbild des Pop. Immerhin spricht dann mal eine Frau im Interview, aber vor allem sieht sie gut aus und bildet eine praktische Achse in der optischen Symmetrie der Videos.

RITUELLES BALZDRÖHNEN
Neuerung und Emanzipation sind der großen Popmaschine wesensfremd, denn sie fixiert Geschlechterrollen genau so strikt, wie andere Lebensbereiche es tun. Schon in der Pubertät gehen Jungen und Mädchen verschieden mit Musik um. Während Laura-Jeanette ein kleiner Ghettoblaster unterm Schminkspiegel genug ist, um beim Song der Boygroup vom Ersten Mal zu träumen, stöpselt der gleichaltrige David nebenan mit Cinch-Kabeln seine erste Komponenten-Anlage mit 200 Watt zusammen. Denn der Boy drückt mit der Musik zuallererst sich selbst aus, und da ist Lautstärke das erste Balz-Argument. Jungs wollen imponieren, Mädchen bewundern. Genau diese Aufgabenteilung erklärt nach meiner Theorie die männliche Vorherrschaft besonders in der Rockmusik. Es sind fast nur Jungen, die sich ab dem 13. Lebensjahr mit Gitarre oder Turntable auf eine Bühne stellen, weil es verdammt laut ist und größer macht. „Rituelles Balzdröhnen juveniler Menschenmännchen“, würden Verhaltensforscher witzeln.

MÄNNER-MIKROSKOP
Auch die gehobene Pop-Journaille bleibt ein männlicher Herrschaftsbereich: Da wird seziert und geschrieben wie in der Naturwissenschaft – wenn auch zeitgeistiger formuliert. Für jede neue Scheibe wird genauestens herausgearbeitet, was unterm Laser-Mikroskop des CD-Players zu liegen kam. Ist das nun noch House oder schon Techno? Sorgt das Gitarrenbrett für Metal- oder Thrash-Anteile? Mit der Klassifizierungswut eines Biologen oder Schmetterlingssammlers wird da jede morphologische Auffälligkeit ins Bestimmungsbuch notiert. So was machen nur Männer. Aber sie können noch mehr: Was eigentlich als Produktinformation für den mündigen Plattenkäufer bestimmt war, ist längst
zum Tummelplatz schreibender Potenz-Eumel avanciert, die in 10 Zeilen ihr gesamtes stilistisches Können vor sich her tragen. Nach der Lektüre weiß man oft nichts über das Album, aber schon viel über den Autor. Meistens war’s ein Mann.
15.09.2004
Offizielle Stellungnahme der Musikpolizei zur Gefahr der Verbreitung bedenklicher Inhalte durch Popmusik




Die Zentrale der Musikpolizei erhält seit geraumer Zeit Post von verängstigten und besorgten Pop-Bürgern. Seitenweise wird da gewettert über die politischen und moralischen Übertretungen einiger kahlgeschorener Beelzebuben, die mit Gitarre-Bass-Schlagzeug-Trupps kernige Slogans in die Übungsräume brüllen. Bekundungen, die man auch bei maximaler Fairness als undemokratisch und geschmacklich nicht massenkompatibel bezeichnen muss.
Zunächst mal weisen wir darauf hin, dass unsere Abteilung vornehmlich die Copyrights im Auge behält, bei Human Rights-Vergehen wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an die Kollegen der Schutzpolizei, wenn die nicht gerade einen Asylanten drangsalieren oder einem geistig verwirrten Entführer Folter androhen.

Zum Thema: Uns schrecken weniger besagte Bands als vielmehr jene, die sie bei uns zur Anzeige bringen. Offensichtlich hat der gemeine deutsche Bürger wieder mal kein Gespür dafür, von woher die echte Gefahr droht. Wer heute beklagt, dass neo-rechte Skinhead-Bands mit ihren klingenden Baseballschlägern Demokratie und geistiger Hygiene in Deutschland eins auf die Fresse geben, unterschätzt fahrlässig die Auswirkungen scheinbar harmloser Pop-Gesellen.
Ob Faschismus oder Satanismus – oft wurden im Pop die Falschen an den Pranger gezerrt, während andere unbehelligt ihren Wahnsinn an die zahlenden Massen weitergaben. Dieselben Sittenwächter, die ihre Kinder vom „Highway to Hell“ fernhielten, brüllten Jahre später bei Wolle Petry dreimal „Hölle“, sobald der zottelige Teufelsanbeter es ihnen mit seinen Voodoo-Bändern befahl. Vor solch wuchtigem Zuspruch hätte sich der sinistre Allister Crowley ehrfürchtig verneigt.
Gehirnwäsche, faschistoides Gebaren und allgemein Infiltration werden besonders Bands rechter Provenienz angelastet. Nazi-Konzerte werden landläufig als Ritual der ästhetischen Verbreitung faschistischen Gedankenguts interpretiert, was aber wissenschaftlich nicht haltbar ist. Jüngste neurologische Erkenntnisse geben Grund zu Entwarnung: Eine Horde Skinheads ist allein durch ihren Alkohol-Spiegel gegen jegliche Art der Demagogie gefeit. Denn außer „hell-dunkel“ und „heiß-kalt“ dringen keinerlei Reize mehr in die Informationsverarbeitung des rechtsextremen Kortex. Jeder Hausarzt wird bestätigen, dass bei 3,5 Promille schon der Griff zum eigenen Hosenstall eine motorische Herausforderung darstellt. Ein derart benebeltes Gehirn versagt kläglich bei der syntaktischen Analyse einfachster Strukturen wie „Jude verrecke“ oder „Ausländer raus!“. Längere Satzstrukturen wie „Macht die Kanacken platt!“ werden gar nicht mehr verarbeitet. Experimente haben ergeben, dass bei diesen Konzerten „Ein Plumpsack geht um“ zu identischen Verhaltensweisen führen würde. Faschistische Viren haben auf diesen Veranstaltungen keine Chance der Replikation.

Leider spricht das demokratische Volksempfinden nur allzu gern auf die braunen Fettnacken an und verliert dabei die subtileren Auswüchse von Gewalt und Perversion aus dem Auge.
Selten jedenfalls gibt es Proteste, wenn etwa Udo Jürgens am Fieberglasflügel ganz offen sein Interesse für arische Minderjährige („17 Jahr, blondes Haar“) dahersülzt. Zugegeben, diese spießigen Klein-Mädchen-Schwärmereien könnten kein Priesterseminar mehr zum Sabbern bringen. Trotzdem verwundert es, dass noch niemand den notgeilen Klagenfurter dafür zur Rede gestellt hat.
Wir vermissten den Aufschrei der Empörung, als Peter Gabriel sich als Vorschlaghammer titulierte und dabei musikalisch ein Massaker ankündigte, das bis heute ungeklärt geblieben ist. Zweifellos lacht sich der blutrünstige Brite täglich ins Fäustchen, dass bis heute keiner kam, um in seinem Garten die Beweise ans Tageslicht zu schaufeln.
Wenn PUR’s Hartmut Engler singt: „Komm mit mir ins Abenteuerland – Der Eintritt kostet den Verstand“, dann warten wir vergeblich auf die Sektenbeauftragten der Kirche.
Am schlimmsten aber traf uns vor vielen Jahren der unangefochtene Erfolg von Nicoles und Ralf Siegels militaristischem Schlachtruf „Ein bisschen Frieden“. Die Kriegstreiberei in diesem Lied lag da wie ein offenes Buch, doch niemand verstand darin zu lesen: Wo nur ein BISSCHEN Frieden ist, herrscht vor allem viel Krieg. Und diesen hat Siegel an jenem denkwürdigen Abend Anfang der 80er der Popwelt erklärt. Grauenhaftes sollte folgen. Sein Lieblingsprojekt trug nicht zufällig den Namen des Warlords „Dschingis Khan“, der einst die halbe Welt in Angst und Schrecken versetzte. Das gleichnamige Lied ist denn auch ein Reise in die finsterste Hölle menschlicher Grausamkeiten. Reaktion? Gleich Null! Die Bundesregierung tat beschäftigt und die Kirchen hielten sich feige aus allem raus.
Ähnlich verhielt es sich, als Udo Lindenberg seine widerwärtige anti-semitische Gesinnung publik machte. Sein unkoscheres Gesetz „Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“ wurde in Deutschland dankbar aufgenommen; der Zentralrat der Juden protestierte erfolglos.
Also liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: Fallen Sie nicht auf falsche Freunde herein. Seien Sie misstrauisch! Wir könnten Ihnen Dinge über Rolf Zuckowski erzählen...
Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen. Seien Sie auf der Hxt!
Ihre Musikpolizei
14.09.2004
"Los du Schlampe, sag mir wo die Blumen sind !"
So lautete die erste, erfolglose Version des beliebten Klampfenliedes. Ein bisschen unwirsch, aber dafür ehrlich. Da sage noch einer, früher war alles besser respektive friedlicher. Schließlich hatten der Kuckuck und der Esel.....na?...jedenfalls keinen Gemischtwarenladen. Und als kleiner Steppke auf dem Schoß meiner Oma hörte ich am liebsten die Stelle, wo den Typen die Raben fressen. Wahrscheinlich angelockt durch den Schrei, den er bekanntlich beim Fallen ausstieß. Und letztlich heißt es auch nicht: "Wir lagen vor Madagaskar und hatten ne Party an Bord!" Und einen Mops brutal zu erschlagen wegen nur einem Ei....das ist auch nicht gerade Sozialpädagogen-Rhetorik.
Das Leben bleibt hart !
 
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