| |
 |
 |
| 30.10.2005 |
Die folgende Doppelrezension von mir erschien in der September-Ausgabe des Göttinger Magazins „TagesSatz“ (www.tagessatz.de). Beide Bücher erachte ich als lesenswert.
2 WG-ROMANE:
„HARTMUT UND ICH“ & „SCHÖNER_WOHNEN.doc“ –
Wer wollte mit Peter Handke zusammen wohnen? Keiner. Oder mit Elfriede Jelinek? Um Himmelswillen! Deswegen konnten die auch keine WG-Romane schreiben. Mittlerweile gibt es sozial kompatible Autoren, die den alltäglichen Wahnsinn gewissenhaft und doch höchst unterhaltsam protokolliert haben: Oliver Uschmann („Hartmut und ich“) und Nadja Sennewald (schöner_wohnen.doc“).
Die WG als warmes Nest oder Konflikt-Börse bietet das ideale Setting für 1001 Geschichten. Also vielleicht steht hier ein neues Genre in den Startlöchern? Der WG-Roman? „Hartmut und ich“ wird übrigens als „Männer-WG-Roman“ beworben - ein ärgerlicher PR-Schnitzer des Verlags, denn dass hier Männer am Werk sind, diktiert zwar etwas den Themenkatalog der Storys, ist aber ansonsten total egal. Das „Männer“-Label führt nur zu falschen Vermutungen über einen politisch äußerst korrekten und reflektierten Autor. Hartmut und der Ich-Erzähler bilden eine 2erWG im Herzen des Ruhrpotts. Hartmut ist Philosophiestudent mit Ziegenbart und „ich“ dauerjobbt als Packer bei UPS. Der Titelheld praktiziert am laufenden Band Strategien gegen den Irrwitz des modernen Lebens und ist dabei seinem Mitbewohner immer um einen Schritt voraus.
HOBBY-SKLAVENHALTER
Hartmut kämpft gegen den Spam- und Konsumterror, indem er jedes Angebot tatsächlich bestellt - vom Online-Lotto bis zur Penisverlängerung („ Subversion durch Affirmation“). Aber auch bei anderen versucht er missionierend zu wirken, wenn er die Alltagsrassisten beim Lokalfußball als Hobby-Sklavenhalter provoziert oder in seiner Straße für menschliche Wärme sorgen will, indem er einfach bei allen den Strom kappt („Zusammenschweißen durch Not“). Im Grunde geht es hier um nichts Geringeres als um die Frage, wie man aufrichtig und moralisch-politisch korrekt durch diese Welt gehen, sie womöglich verändern kann. Diesen harten Tobak kredenzt Uschmann dem Leser über mehr als 200 Seiten und übertreibt dabei lustvoll und mit Sinn für skurrile aber folgerichtige Pointen.
GENERATION R4
Auch Nadja Sennewald hat viel Spaß vor solch ernstem Hintergrund. Ihre WG ist im studentisch-linken und Öko-Milieu angesiedelt. Ihr „schöner_wohnen.doc“ porträtiert in Tagebuchform liebevoll die Nachfahren der 68er-Generation. Der Detailreichtum ist vergleichbar mit „Generation Golf“, und lässt „schöner_wohnen.doc“ als politische Ergänzung zum Mainstream-Sammelsurium von Florian Illies denken. Über lange Passagen referiert die Ich-Erzählerin Theorien und Gedankengebäude ihrer Mitbewohner oder sinniert selbst über die Fallstricke ihres Daseins oder trashige Zahnbürsten. Und das ist durchaus spannend.
RAVER-AKNE
Denn die Verbissenheit der Sinnsuchenden („zwischen Studium und irgendwelchen unterbezahlten Pissjobs“) ist urkomisch, und der Roman bietet Überblickswissen zu unterrepräsentierten Themen wie der Star Trek-Philosophie, antihierarchischen Möbeln, Cyberfeminismus oder den theoretischen Grundlagen des Beine-Rasierens. Nicht zu vergessen auch die Warnung vor der weithin unterschätzten Raver-Akne!
LÄSTERN ÜBER LINKE
Nadja Sennewald legt die Komik in der Kompromisslosigkeit von Klischee-Ökos und Alt-Autonomen rücksichtslos offen, aber das geht in Ordnung, denn hier schreibt ja eine, die selbst dazugehört, und somit bleibt die Zurschaustellung immer fair und verständnisvoll.
Im WG-Roman lässt sich moralinfrei über Moralisches schreiben, die schlimmsten Ungerechtigkeiten und Verfehlungen der Welt kann man anprangern, ohne im geringsten auf die Spaßbremse zu treten. Uschmanns Hartmut ist dabei eine literarische Allzweckwaffe im Kampf gegen die bescheuerte Gegenwart. Und der Kampf ist noch lange nicht zuende. Auf der Website www.hartmut-und-ich.de gibt es schon neue Heldengeschichten. |
 |
| 24.10.2005 |
HINTER DER DURCHREICHE
Hier steht er also allabendlich, der Fürst der Finsternis, und lässt seine mannshohe Maschine den Nachbarraum mit Träumen durchfluten. Mein Kollege Matthias Jung (der Hüffelsheimer) und ich stehen wie kleine Jungen vor einem alten Projektor, an dessen Kopfende eine Linsenapparatur in die Wand ragt. Darin klafft ein rechteckiges Guckloch: die Durchreiche der Kino-Illusionen.
LOCH IN DER WAND
Am Donnerstag durfte ich bei der NightWash-Club Show in der Dortmunder „Schauburg“ mitspielen, einem alten Kino in der Fußgängerzone. Zum ersten Mal stehe ich nun in dem geheimnisvollen und bald ernüchternden Projektionsraum, aus dem in besonders ruhigen Filmmomenten das leichte Surren der Maschine zu hören ist. An der Wand ein Tisch mit Kästen voller Filmschnipsel und einer Schnittvorrichtung. Auf einem Aluminiumteller von einem Meter Durchmesser liegt ein kompletter Film. Am äußeren Rand klebt ein weißes Ende, auf dem in Handschrift „Massai“ zu lesen ist. Unser Hamburger Kollege Kerim Pamuk gibt sich als ehemaliger Filmvorführer zu erkennen und erläutert grob den Aufbau des Filmprojektors. Wir erfahren, dass früher ein Film noch aus zwei Rollen bestand, die nacheinander eingelegt werden mussten. Heute spult sich der Film, einmal eingelegt, ohne weitere Hilfe ab, und der „Filmvorführer“ kann den Rest des Abends Cola trinkend in der Lobby abreißen. Die Illusion braucht ihn nicht mehr.
BEI LICHTE BETRACHTET
Wir dagegen füllen den Kinosaal anschließend mit echtem Leben. Allerdings: Wir brauchen das Publikum. Es ist die Leinwand, auf die wir unsere kleinen Filmchen projizieren. Während der Film durch das Loch in der Wand die Leinwand beseelt, ist unsere „Durchreiche“ immer noch die offene Seele der ZuschauerInnen.: Wer nicht will, lacht auch nicht. Noch nie ist jemand auf dieser Welt gegen seinen Willen amüsiert worden. Und so wie ein Film nicht mehr als flackerndes Licht auf weißem Stoff ist, sind unsere Gags nur Wörter und Gesten, deren Wert bei jeder Show neu verhandelt wird. Bei Lichte betrachtet gibt es keine Komik, so wie es keine Hobbits gibt. Sie kommt erst mit dem Einverständnis des Publikums. Aber wenn es erst einmal da ist, dann wird der größte Kappes zur Selbstverständlichkeit, dann folgen wir bereitwillig Peter Jackson durch Mittelerde - oder Matthias Jung durch Hüffelsheim. |
 |
| 22.10.2005 |
BIBO WANDERS
Ich brüte gerade am PC über einigen Dateien, als plötzlich das Fernsehgemecker wie ein Käfer an meiner Aufmerksamkeit hochkrabbelt. Das war seit dem Ende von „aspekte“ unbemerkt weiter gelaufen, und nun verteilt Ralf Morgenstern Stichwörter an weibliche Showgäste, die sich Mühe geben, aus der vergangenen Woche etwas Unterhaltsames zu pulen. Unter ihnen auch Lilo Wanders. Und da fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren: Die Figur, an die er / sie mich seit Jahren erinnert, ist: Bibo aus der Sesamstraße. Hinter Bibo, im Original einfach „Big Bird“, stand sicher die Idee, ein fremdartiges Wesen von einschüchternder Größe mit unerwarteter Sanftheit zu versehen. Das passt. Lilo Wanders’ Sendung „Wa(h)re Liebe“ jagte einem Angst und Schrecken ein („O Gott, habe ich habe zuwenig und zu langweiligen Sex??“), aber Lilos unerschütterliche, besänftigende Art, glich das wieder aus und entließ einen mit dem Gefühl in die Nacht, dass man auch ohne zu Deutschlands sexuellen Voll-Checkern zu gehören ein würdevolles Leben führen konnte. |
 |
| 20.10.2005 |
C-A-F-F-E-E – BOTSCHAFT AUS EINER FREMDEN WELT
Es begann damit, dass ich meine Kaffeemaschine in einem Tatort-Krimi sah. Das war bemerkenswert, denn ich besitze das seltene Modell Lloyds 154/611. Was mich dann aber stutzig machte, waren die völlig anderen Betriebsgeräusche des Tatort-Modells. Das unterbrach in regelmäßigen Abständen sein puckerndes Tropfen mit einem hellen Fauchen, während sich mein Automat immer mit einem gedämpften Schmatzen begnügt, das obendrein völlig ungleichmäßig aus dem Innern des Gehäuses dringt. Woher dieser Klangunterschied? Trug mein Lloyds womöglich einen Defekt mit sich herum?
LEBENSGEFAHR
Zum ersten Mal zog ich die Betriebsanleitung aus dem Leitz-Ordner und staunte nicht schlecht: Ein gutes Dutzend haarsträubender Gefahren stand da fein säuberlich aufgelistet, von denen ich nicht den Hauch einer Ahnung hatte. Die letzten Jahre mit meiner Kaffeemaschine waren ein Tanz auf dem Vulkan gewesen. Täglich hatte ich für ein Tässchen Milde Bohne Kopf und Kragen riskiert. Ich hatte mir angemaßt, den Automaten auch ohne Vorkenntnisse souverän handhaben zu können. Dass ich diese Selbstherrlichkeit noch nicht mit dem Leben bezahlt hatte, musste ich geradezu als bizarr empfinden, denn die Liste meiner Verfehlungen war lang (hier ein Auszug analog zur Betriebsanleitung):
1) ich hatte die Maschine nicht auf eine rutschfeste und spritz-unempfindliche Oberfläche gestellt;
2) ich entnahm Zubehör, ohne das ausgeschaltete Gerät vorher ausreichend abkühlen zu lassen;
3) ich betrieb das Gerät regelmäßig ohne Aufsicht;
4) ich hatte vor der ersten Inbetriebnahme die Sicherheitshinweise nicht gelesen;
5) ich hatte den Aromawahlschalter schlicht übersehen;
6) ich war einer von diesen arroganten Maulhelden, die eines Tages für ihren Hochmut büßen und tot in der Küche liegen würden.
Hier sitze ich und lebe noch! Hat dafür eine Botschaft die Grenze zweier Welten passiert? Vom Münster-Tatort nach Essen-Huttrop? Wie auch immer, heute sehe ich Axel Prahl und meinen Haushalt mit anderen Augen. Die Wahrscheinlichkeit, einen albernen Tod beim Kaffeekochen zu sterben, habe ich nahezu ausgeschlossen. Safety first. Vorher gibt es keinen Kaffee.
PSI-KAFFEE
Wenn ich heute in einer Tasse Kaffee rühre, dann erforschen meine Gedanken mit dem Löffel die unergründlichen Strudel des Lebens, und ich gelange zu tiefer Einsicht. Alte Kindermelodien offenbaren unversehens ihre mystische Quelle: „C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Kaffee”. Für alle Ahnungslosen: C-A-F-F-E-E sind exakt die Töne, mit denen dieser Kanon auch beginnt. Nur wenige Wörter ergeben auf Notenlinien buchstabiert, eine solch anmutige, sphärische Melodie. C-A-F-F-E-E – der abwärts gesungene F-Dur-Dreiklang und der anschließende Schritt auf die große Sept, den stärksten Leitton überhaupt, der mit aller Kraft wieder zum tonalen Zentrum strebt – das ist wie ein musikalisch geöffnete Tür in eine andere Welt; das ist die PSI-Kraft der Röstbohne! Löffelschwenkend treibe ich flussabwärts in eine ferne Welt. Indio-Gottheiten grüßen mich von Felsufern herab, Tukane leuchten im sattgrünen Dickicht und Schamanen laden mich zum Kaffee ein. C…A…F…F…E…E…
Chimären altern früh für etwas Ewigkeit.
Chamäleons auf festen Fichtenzweigen erzwingen Eintracht.
Charterflüge aus Frankreich faken echten Espresso.
Callboys aus Frankfurt ficken erstaunlich emsig.
Calvinisten angesichts furchtbarer Ferkeleien erheben Einspruch.
C…A…F…F…E…E…
Jedes Mal, wenn ich den Tschibo-Laden auf der Steeler Straße betrete, verdreht Frau Sawatzky die Augen und ruft ihre Kollegin. Ich streiche mir dann mit einer freundlichen Geste den Federschmuck aus dem Gesicht und lächele so unterwürfig wie ich nur kann. Schließlich ist sie eine Heilige. |
 |
| 12.10.2005 |
LETTER FROM GRACELAND
Unglaublich: Am Sonntag hielt ich ein echtes Elvis Presley-Autogramm in Händen. Aus den 50er Jahren. Und der King hat sich Zeit genommen, den vollen Namen auf die Fotokarte zu setzen. Kein Apotheken-Gekrakel, sondern elegant geschwungene, lesbare Schreibschrift. Im Vergleich mit den Nachbarkarten Freddy Quinn oder Catherina Valente punktet der Rock’n’Roller aus Memphis durch schmierfreie und entschlossene Federführung. Wie muss es gewesen sein, als His Highness persönlich die Tinte aufs Papier drückte... Hat er noch was dazu gesagt? Hätte er sich 10 Minuten später noch daran erinnert? Wusste er, in welchem Land er war? Wanderte das fertige Kunststück dann in die Hände einer Frau, die ihn zuvor berührte? Und wenn ja, ist sie bis heute jemals wieder aufgewacht? Ich hätte nichts dagegen, immer wieder an demselben Tag aufzuwachen, an dem das Murmeltier grüßt und Elvis mir anschließend sein Autogramm gibt. Dann würde er auch nie wieder das Gebäude verlassen. YOU AIN’T NOTHING BUT A GROUND HOG.
Auf der Karte jedenfalls ist deutlich zu lesen: *e-h-u-i-s p-r-u-s-l-o-p-*.
gez. Rupert Pupkin |
 |
| 06.10.2005 |
NEUE COMEDY-SHOW IN DÜSSELDORF
Seit gestern ist die Düsseldorfer Szene um ein Comedy-Konzept reicher. Das Stahlwerk will in Zukunft einmal im Monat eine Mischung aus Musik und Comedy anbieten. Ein fester Name für die Veranstaltung muss noch gefunden bzw. angeregt werden. Natürlich war Kelvin gestern Abend auf der Premierenbühne. Die Räumlichkeiten, sonst nur auf Singlepartys ab 2 Promill erträglich, wurden zu diesem Zweck wohnlich mit Lounge-Möbeln ausstaffiert, und irgendjemand hat sogar ein Bild aufgehängt.
SWINGER CLUB
Gimmick Nummer 1 ist ohne Frage die Band „Swinger Club“: Kontrabass, Drums, 60s-Orgeln und Spezialeffekte. Allesamt ausgebildete Jazzer, nähern sie sich Liedern wie YMCA oder San Francisco, sowie dem Raumpatrollie Orion-Thema mit jazziger Chuzpe und gehen mit soviel musikalischer Liebe zum Detail an die Arbeit, dass es ein Freude war, der Band zuzusehen. Echte Kelvinisten!! Organist Andreas hat ein Faible für Vintage-Keyboards. Auch das Prunkstück der Sammlung hat er mir vorgeführt: Das winzige „Stylophone“, eine Art Musik-Gameboy aus den Sechzigern, der fremdartig vor sich hin piepst. Melodien spielt man auf einer Kontakt-Tastatur mithilfe eines Stiftes – wie beim modernen Palmtop, allerdings mit Kabel verbunden. Ich glaube, die Seite, auf der man einige der Schätze bewundern kann, heißt www.tonschmiede.de
SUGARBABES
Wie so oft war der Backstage-Bereich an Ungastlichkeit und Kälte kaum zu überbieten. Aber liebe Veranstalter: Lasst es genau so! Ich liebe das Karge. Besonders unfair: Bei Eintreten zog dem Comedian ein wohliger Essensgeruch durch die Nase, wie man ihn von professionellem Catering kennt. Professionell und lecker war es auch, aber nicht für uns! Stattdessen duftete es für die Sugarbabes, die im unteren Teil des Gebäudes schwoften. Wir mussten mit belegten Brötchen und Schokoriegeln vorlieb nehmen. Und die kleinen Mädchen aus England essen bestimmt nicht so viel! |
 |
| 01.10.2005 |
Wie kann ich eigentlich die Anzahl der Zugriffe auf meine Seite erhöhen?
Muss man nicht auf der HP bestimmte Stichwörter ablegen, nach denen Suchmaschinen fahnden? Oder geht das sogar nach Häufigkeit? MUSIK MUSIK MUSIK POLIZEI POLIZEI POLIZEI
Hmm,,,,
Glaube, das ändert nicht viel. Dann vielleicht die beliebtesten Stichwörter!?!?
GIRLS GIRLS GIRLS GIRLS GIRLS GIRLS GIRLS GIRLS GIRLS
TITTEN TITTEN TITTEN TITTEN TITTEN TITTEN TITTEN
Aber dann kommen die Falschen auf die Page. Die Geifersäcke mit der schlaffen Pornolocke haben keine Zeit für gute Musik und Comedy. Also um die originellen und inspirierten Mitbürger zu ködern, braucht man Abseitiges. So intellektuell irgendwie... aber neumodisch intellektuell.
Hmmm. Wasn das wohl?
SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF
SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF SCHLINGENSIEF
FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN FISCHBRÖTCHEN
JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ JANDL IM NETZ
NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ JANDL NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ NETZ
Nee...
SPARTAKUS – SPARTARIF
Ach, bringt doch alles nix.
DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL BILLIG DSL
Warum eigentlich brennt im Kühlschrank das Licht, aber nicht im Eisfach? |
 |
| 30.09.2005 |
DER WITZ AN UND FÜR SICH
Sicher bin ich nicht allein mit dem quälenden Gefühl, dass ich immer dann am besten Klavier spiele, wenn ich allein bin; dass mir die besten Ideen in Träumen kommen, die ich morgens vergessen habe; und dass ich exakt dann warm gespielt, entspannt und geistig elastisch bin, wenn das Publikum sich von den Stühlen hebt. Ja, so ist das. So richtig witzig bin ich erst nach Geschäftsschluss. Wenn alles vorbei ist, kommt die Erleuchtung so selbstverständlich wie nie. Gerade dann, wenn es um nichts mehr geht, laufe ich zu intellektueller Höchstform auf.
Es ist die Fortsetzung des alten Gefühls, wenn man nach der Mathearbeit auf dem Flur steht und dann - „Aaaallder...“- kommt die Erleuchtung. Liebe Kinder, lasst es Euch gesagt sein: Das hört im Leben nie auf, dass einem erst nach der Schlacht die Lampe leuchtet. ICH kenne das, Kasparov kennt das, einige arme Zeitgenossen haben das sogar nach dem Sex. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als immer ein Notizbuch bereit zu halten und schnellstens für ein nächstes Mal sorgen. Trotzdem muss ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass alles, was der Rest der Menschheit von mir zu sehen und zu hören kriegt, vorläufig und unperfekt bleibt.
Aber vom Improtheater lernen, heißt siegen lernen. Dort nämlich gilt die Goldene Regel: „Akzeptiere es, und mach es größer!“ Eigentlich ist das – frei nach Kant – Comedy an und für sich. Puh, ich denke - so bin ich nun mal (noch freier nach Descartes). Unperfektes, Verunglücktes, Tragisches ist komisch. Nur was nicht zusammenpasst, bringt Lacher. Comedy lebt von Unfällen und Problemen wie der Mops von Eiern. Bei meiner Selbstwahrnehmung hieße das, dass die Leute sich totlachen. Tun sie aber nicht. Das passt nicht zusammen. Sehr witzig. |
 |
| 22.09.2005 |
Dieser Artikel erschien bereits in der „Unterwegs und draußen“-Ausgabe des Göttinger TagesSatz. (www.tagessatz.de)
DIE ROMATIK DER BESCHWERLICHKEIT – PHILOSOPHIE DES CAMPINGS
Camping ist sinnlos. Häuser gibt es überall. Niemand braucht ein Zelt. Und Campen täuscht ein billiges „back to nature“-feeling vor, dabei ist es in Wahrheit nur verkappte Warmduscherei.
Die Isle of Skye in Schottland, Ende April. Auf einem Campingplatz im Norden der Insel trottet ein halbes Dutzend junger Mitteleuropäer mit Kulturbeuteln zum Waschverschlag. Es ist nebelig, ein schneidender Wind weht und es regnet, durch das Geröll des Trampelpfades ziehen sich wachsende Rinnsäle und fließen in das umliegende Erdreich, das bei jedem Tritt gluckst wie ein nasser Schwamm. Die Welt besteht hier nur noch aus Regen, Felsen und ein paar Gräsern. Was in aller Welt machen die jungen Menschen hier in ihren klammen Zelten? Was spricht gegen trockene und bequeme Hotelbetten? Gegen Sonne und Frühstücksbüffet? Die Gelassenheit, mit der die Backpacker durch den Regen stapfen, signalisiert: Bequemlichkeit ist hier uncool, denn diese Feuchtcamper huldigen ja gerade der Beschwerlichkeit des Daseins unter freiem Himmel. Der vorübergehende Verzicht auf Geborgenheit und die Annehmlichkeiten moderner Behausungen mag zwar auch eine Stilfrage sein in dieser rauen, unverfälschten Landschaft Schottlands; vor allem aber schwillt hinter dünnem Zeltstoff die Ehrfurcht vor der Natur und steigert den Erlebniswert. Wer sich ausliefert, erfährt alles intensiver.
KONSERVIERUNG DER MÜHSAL
Je mehr der Mensch mithilfe der Technik die Beschwerlichkeiten des Daseins bewältigte, desto mehr fanden sie den Weg zurück in sein Leben: als Freizeitspaß.
Bevor die ersten Dampfschiffe die Ozeane fahrplanmäßig überquerten, kämpften Seefahrer auf Segelschiffen gegen die Unwägbarkeiten von Winden und Strömung. Heute ist das umständliche Segelsetzen die beliebteste Wochenend-Entspannung für Anwälte und Architekten mit Wohnsitz in Bremen. Zulande reiste man noch vor 200 Jahren nur auf dem Rücken eines Pferdes oder in einer rappelnden Kutsche. Heute geht der Mercedes mit 180 km/h und ohne nennenswerte Vibration in die Kurve, damit wir rechtzeitig auf dem Reitplatz sind. Ein Haus ohne Zentralheizung hat in Deutschland Exotenstatus, andererseits beneiden wir unsere Nachbarn um ihren Kamin, in dem abends die Scheite prasseln, egal wie viel Arbeit das macht. Sogar das Holzhacken wird da zum sinnlichen Vergnügen.
ABENTEUER AN DER SICHERHEITSLEINE
Camping vereint all diese wieder entdeckten Beschwerlichkeiten: das Ausgeliefertsein an Wind und Wetter, Nomadendasein, unbequemes Sitzen, Kochen über offenem Feuer, einfaches Essen und den Verzicht auf formschönes Design. Die Notwendigkeit diktiert hier alles, und man feiert die Schönheit des Provisoriums. Aber warum eigentlich fühlt man sich im Camping-Stuhl wohler als auf der Couch daheim, warum schmeckt hier die Tütensuppe besser als manches 3-Gänge-Menü? Die Mühsal wird genießbar, weil sie letzten Endes eine künstliche ist. Wir haben Spaß daran, in einem nassen Zelt zu sitzen, weil zuhause die trockene Wohnung mit Couch und Mikrowelle auf uns wartet. Unser Abenteuer funktioniert nur an der Sicherheitsleine. Insofern geht es beim Zelten viel weniger um Romantik als wir angenommen hätten. Campen ist eben kein wirkliches Ausgeliefertsein und kein Verzicht, sondern im Gegenteil der wahre Ausdruck unseres Luxus. Im Grunde vergewissern wir uns nur, wie beschissen es da draußen ist, um die Bequemlichkeit unserer modernen Welt umso mehr zu spüren. Der Marsch durch den kalten schottischen Regen ist Warmduschen unter anderem Vorzeichen. |
 |
| 08.05.2005 |
ERLÄUTERUNGEN ZUR KELVINISTIK (Teil 1):
COPYRIGHT OR WRONG?
Liebe Pop-Öffentlichkeit!
Kein Zweifel: Sollten Sie morgen versuchen, mit dem heimlich gesampelten Duschgeträller ihres Nachbarn Kasse zu machen, zieht die Musikpolizei den Knüppel aus dem Sack. Noch bevor Ihr Nachbar unversehens von der Dusche in die Hitparaden schliddert, bücken Sie sich schon ganz woanders nach der Seife, das versprechen wir Ihnen. Trotzdem wehren wir uns gegen die völlige Verflachung unserer Arbeit auf Handschellen-Geklacker bei Songpiraten und Bademeister-Allüren auf Metal-Konzerten („Nicht vom Bühnenrand springen!“). Die Musikpolizei ist kein Haufen grüner Sittiche auf Streife, sondern eine aufklärerisch geschulte Eliteeinheit von Kelvinisten im Pop-Mittelalter, das sich als Postmoderne getarnt hat. So wie einst Mönche in klösterlicher Abgeschiedenheit Sakrales mit Feder und Tinte kopierten, so wird doch heute Immergleiches auf tausend Sample-Pfaden zum Endverbraucher geschleust, der dann verblüfft zur Kenntnis nimmt, wie vertraut ihm das nie Gehörte aus der Seele spricht. Für die Klosterbrüder von dunnemals blieb aber das Wort Gottes von Kopie zu Kopie immer dasselbe. Heute wird dagegen mit religiösem Eifer die Einzigartigkeit geistiger Schöpfungen beschworen, sobald jemand beim x-ten Aufguss von C-Dur, D-Moll, G-Dur versehentlich die Tonart gewechselt hat. Doch im Grunde genommen ist Songwriting von heute nichts anderes als DJ-ing mit anderen Mitteln: die Neuverteilung des vorhandenen Materials. Die Kuttenträger am klösterlichen Pult würden heute eher als „DJ Wood-Console“ firmieren, als der GEMA beizutreten.
Wahrheit, Wirklichkeit, Originalität – das sind heute Begriffe, die der mündige Pop-Bürger kreativ mit Inhalt füllen darf. So lautet denn der Kernsatz der Kelvinistik: Die Suche nach dem Ur-Ur-Ur-Heber, kann man sich getrost an die Unterhose häkeln.
STATTHALTER IM HAUPTBAHNHOF
Erst kürzlich ulkte ich gegenüber meinen Mitarbeitern J.L. Schlüter und Special Agent Volker, Tantiemen seien nichts weiter als die Claims zwischen weltanschaulichen Jägerzäunen musikalischer Siedler: hilflos aufgemalte Planquadrate im gottlosen Chaos der Ideen. Wir versuchen also gar nicht erst, jenes aller erste Ei / die erste Henne ausfindig zu machen, sondern verscheuchen lediglich dreistes Geflügel von allzu fremden Nestern. Und wo gescheucht wird, da fliegen Federn. Doch solcher Aufruhr sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir persönlich über Urherberrechte schmunzeln wie der Chinese über die putzigen Menschenrechte.
Die Quelle geistiger Schöpfung ist keine Tabula Rasa, aus der heraus mit Götterfunken-Tinte losgereimt wird, oder was immer Schiller und Konsorten so an Geniekult herbeigebetet haben. Deshalb haben Urheberrechtsjuristen in aller Welt ihre liebe Müh mit Grenzverschiebungen zwischen einem frei zugänglichen Akkordschema und so genannten „Kompositionen“. Aber wenn der Stift gewaltsam gerade Linien übers Papier zieht, wo die Wirklichkeit viel krummer ist, hat das bekanntlich explosive Folgen. Ein Blick auf die mit dem Lineal gezeichnete afrikanische Landkarte zeigt doch, wohin das führt... Die Kolonialherren im Reich der Tantiemen sollten aus der Geschichte lernen. Ideen als Territorien mit Schlagbaum und Zollstation? Nein. Eher erzeugt das geistige Gewusel auf Erden Schnittmengen aus Musik, Worten oder Gedanken, die auftauchen und verschwinden wie Passagiere in der Bahnhofshalle und die man nicht mehr auf einen allein zurückführen kann. Wer also Urheberrechte beansprucht, erklärt sich zum Statthalter im Hauptbahnhof.
EGOISTISCHE AKKORDE
Wir von der Musikpolizei verfolgen überdies mit Interesse die Debatte um das Memetik-Konzept des englischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Dawkins wurde vor gut 25 Jahren berühmt mit dem Buch „Das egoistischen Gen“, in dem er vorschlug, es seien vielleicht die Gene, die sich unserer bedienen, um ihre Informationen weiterzugeben. Oder anders: Wir sind nur die Überlebensmaschine unserer Gene, aber ansonsten nicht weiter wichtig. An diese Idee anknüpfend, versteht Dawkins ein „Mem“ als eine abstrakte Einheit, die sich in der Gesellschaft von einem Bewusstsein zum nächsten zu kopieren versucht. Dies kann die Idee einer Stehleiter sein, ein gesellschaftliche Konvention oder eine bestimmte Akkordfolge in der Musik wie z.B. I, VI, IV, V (C-Dur, A-Moll, F-Dur, G-Dur). Jeder Special Agent bei uns weiß, dass man damit zwei Drittel aller 60s-Hits komponieren kann; so wäre diese 4er-Kadenz ein erfolgreiches Mem: Sie hat sich in Abertausende Gehirne kopiert, die daraus einen neuen Song gebastelt haben – und damit das Mem noch weiter verbreiten. Es ist also wie in einem schlechten Horrorfilm, in dem das Alien seine Eier in uns legt und ausbrüten lässt. Eitel, wie wir Menschen sind, halten wir nun das Kuckucksei für unsere Eigenkreation und melden ein Patent drauf an...
Obwohl wissenschaftlich angreifbar, ist der Mem-Begriff uns Kelvinisten sympathisch, weil er die ganze Urheberei als verrostete Gelenkmuffe am Motor des Lebens enttarnt. Je ungehemmter ein Mem im ständigen Fluss der Ideen treiben kann, desto besser kann es sich bewähren – oder auch nicht. Evolution braucht Kopien und Kopien von Kopien.
Die Einzigartigkeit geistiger Schöpfung ist nicht mehr als ein schöner Schein, und wer daran festhält, sitzt wahrscheinlich im Vorstand der GEMA oder ist aus einem 200jährigen Dornröschenschlaf immer noch nicht erwacht. Denn schon Thomas Jefferson war 1790 gegen das erste US-Copyright-Gesetz: Neue Ideen seien das Produkt kollektiver Leistungen. Und erst im Jahr 2000 wetterte Herr Müller-Maguhn von ICANN, geistiges Eigentum sei nichts weiter als ein „Diebstahl im öffentlichen Raum“. Proudhon lässt grüßen. Und die Musikpolizei grüßt kelvinistisch zurück: „Life is Xerox – You’re but a copy!“ |
|
 |
|