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13.11.2006
SCHWEIZER IMPRESSIONEN

Die Schweiz ist im großen Ganzen wie Deutschland – nur besser. Die Kühe sind mit Sicherheit glücklicher, die Jugendlichen gelassener, und das Backwerk in den Konditoreien ist so vollendet geformt, dass man es auch in das präzise Laufwerk einer Uhr einbauen könnte. Nur bei den Eidgenossen hinken die Stadtwerbevideos im Hotel-TV-Kanal der rausgeputzten Wirklichkeit sogar noch hinterher.

IN DER RUHE LIEGT DIE CHKRAFT
Aus reiner Neugierde bin ich hier nicht nur mit der Bahn, sondern auch mit Straßenbahn und Schiff durch Zürich gefahren: Solche Ruhe hätte ich bestenfalls noch den Tibetern zugetraut, dem anderen Bergvölkchen, das sich ebenso wenig unterbuttern lässt wie die Schweizer, leider aber weniger Geld- und Goldreserven der Welt im Keller lagert – und deshalb keinen Tennisspieler von Weltrang aufweisen kann.

BACKSTAGE
Beim Swiss Comedy Award durfte man also nichts anderes erwarten als Präzision, Luxus in der Ausstattung und kontrollierte Leidenschaft. Und die Schweizer lösen solche Versprechen ein. Minutiös kommt von Minute und auf ebensolche genau lief alles ab beim Wettbewerb in futuristischer Architektur mit im Gebäude stehendem Wasser. Backstage konnten wir Künstler uns ein wenig kennen lernen. Und ich möchte betonen, dass da kein Konkurrenz-Denken spürbar wurde. Das lag mit daran, dass kein Schweizer unter uns war und alle sich somit auf der Ebene des staunenden Ausländers verbrüdern konnten.

AFTER SHOW
Die anschließende After-Show-Party in der Adagio-Bar (Security mit Knopf im Ohr) fühlte sich ein bisschen falsch an. Blutjunge Party-People, wie aus einem hippen Magazin ausgeschnitten, sprangen um die eigentlichen Akteure (uns und die Organisatoren, Jury und Medienheinzels) herum, als gäb’s kein Morgen mehr. Da fragt man sich schon, woher die kommen, und was die eigentlich feiern. Der DJ –da war ich mir mit meinem russischen Kollegen Alexey Mironov einig – war hier insofern die größte Überraschung, als er musikalisch das Flair einer südniedersächsischen Dorfdisco von Anfang der 90er zu beschwören schien.

Ehrlicher und kritischer kann man über die Schweiz nicht schreiben. Das luxuriöse Äußere und das Undramatische des Lebens lassen einen korrumpiert zurück. Ich komme wieder. Nächstes Jahr zum Festival hole ich mir wieder einen Zug von diesem seltsamen Stoff.
16.08.2006
Der folgende Artikel erscheint in der September-Ausgabe „Selten so gelacht“ des Magazins „TagesSatz“. Die Frage war: Gibt es überhaupt noch Tabus bei uns durchgedrehten Profi-Perverslingen? Oder haben wir mit unseren unterirdischen Ferkeleien schon längst Hausverbot in sämtlichen Bars von Sodom und Gomorra? Und was waren überhaupt Tabus? Kelvin packt aus und sinniert über das...


LACHEN IM GRENZLAND DES GUTEN GESCHMACKS

Bielefeld im Dezember 2005. Gutgelaunt beginne ich meinen Soundcheck in der Location der „Figaro Show“ von TV-Komiker Ingo Oschmann. Wie die meisten Comedy-Kollegen kenne ich das Publikum hier nur in Party-Stimmung. Alle lieben Bielefeld. Ich plane eine Weihnachtsgeschichte vorzulesen, in der verschiedenste Krüppel eine wilde Party feiern und mit ihren Behinderungen jede Menge Spaß haben – trotz einiger Grenzüberschreitungen ein Jux, den jeder Zivi munter abfeiert. Aber dann kommt, was kommen musste: Während ich auf der Bühne noch meine Kabel verlege, werden drei Rollstuhlfahrerinnen in die erste Reihe geschoben und strahlen mich erwartungsfroh an. Was nun? Wie weit darf man gehen für den Gag? Das ist wie eine Gleichung, die man jeden Tag neu lösen muss. Hängt ja auch sehr vom Publikum ab.

SIE KRIEGEN IHR GELD NICHT ZURÜCK!
Ich war schon mal Zeuge, als mitten in einer Vorstellung aufgescheuchte Damen mit Handtasche im Anschlag ihr Geld zurückverlangten. Ich fand die betreffende Nummer auch daneben, hätte aber als Kassierer auf die Freiheit der Kunst verwiesen und die Kohle für futsch erklärt. Comedy bucht man ohne Geld-zurück-Garantie. Oder? Ist Comedy nun Kunst oder Dienstleistung? Die Leute bezahlen dafür, dass sie einen netten Abend haben, andererseits kann man als Comedian nicht die Schmerzgrenzen jedes Zuschauers hellseherisch mit einrechnen. Allen kann man es sowieso nicht recht machen. Bestimmt wurde auch Heinz Schenk mal von angepissten Zuschauern mit Bembeln beworfen. Erklärte Humor-Softies sind mit Harald Juhnke und dem MDR gut bedient und sollten bei extremem Leidensdruck nach Feuerland auswandern und auf’s Meer gucken.

ROCK’N’ROLL IN DER KONSENSFALLE
Bei aller Patzigkeit: Comedians nehmen sich jede Kritik zu Herzen. Schließlich geht man auf die Bühne, um geliebt zu werden. Anders läuft’s auch gar nicht. Niemand auf der Welt lacht gegen seinen Willen. Um einen Konsens mit dem Publikum, vielleicht sogar Opportunismus, kommt man bei allem Rock’n’Roll auf der Bühne gar nicht herum. Und sitzt so manches Mal in der Falle wie ich in Bielefeld. Wenn nur eine einzige von hundert Personen verletzt werden könnte, bin ich jedenfalls sehr vorsichtig. Im Fernsehen ist das anders. Wenn Millionen mitlachen, kann man locker hundert beleidigen. Stefan Raab, Kurt Krömer und Oliver Pocher sind die neuen Haudegen der TV-Unterhaltung und benutzen alle dieselbe zweifelhafte Wunderwaffe: die Verhöhnung der Schamgrenzen, vor allem die professionell betriebene Respektlosigkeit. Und das ist kein Zufall.

RÄCHER DER ENTRECHTETEN
In Zeiten unsicherer Jobs und totaler Unterwürfigkeit vor jedem Chefsessel, wo man zwischen Gedachtem und Gesagtem eine scharfe Trennlinie ziehen muss, wird auf dem Bildschirm Tacheles geredet. Respektpersonen und coole Typen werden vom noch cooleren Pocher/Krömer/Raab mal so richtig cool verarscht. Auch heute brauchen wir Narrenfreiheit: Stellvertretend für den stummen Zuschauer poltern Raab und Co durch die Promi-Landschaft und sagen, was sich sonst keiner traut. So weit macht das großen Spaß. Leider sind sie sich auch für tumbe Beleidigungen wehrloser Normalos nicht zu schade: „Du siehst ganz schön alt aus für dein Alter“. – Den Preis für diesen coolen Spruch konnte Pocher dank optimaler juristischer Betreuung von 25000 auf 6000 EUR drücken. Solchen Wegzoll an der Grenze des guten Geschmacks bezahlt er locker aus der Kaffeekasse und profitiert noch von dem Rummel. Als Promi kann er gar nicht verlieren. Vielleicht ist es deshalb mittlerweile Teil der Show, dass sich TV-Mieslinge wie er vermieten oder im Ring live auf die Fresse kriegen – damit die Gleichung am Ende wieder stimmt.
09.06.2006
WIKI UND DIE SCHWACHEN PENNER






Wikipedia, Du enttäuschst mich. Der Eintrag über die "Reise nach Jerusalem" lässt die einzige relevante, wirklich wichtige, die Frage aller Fragen unbeantwortet: Woher der Name? Wer in drei Kruzitürken hat sich das ausgedacht? Muss ich mich erst bis zur Intifada googeln? Vielleicht hat man das in Palästina erfunden und nach und nach einen Stuhl weggesprengt!?

LANIER WIRD ROT
Jedenfalls verzapfen auch die Brüder bei WIKI regelmäßig Bockmist in bester Absicht. Bei aller Geilheit: Schwache Sache, wenn man eben doch kein Vertrauen in den "Hive Mind" (Schwarmgeist) des Internets haben kann. Das sagt nicht nur Kelvin. Schelte auch von höchster virtueller Stelle: Jaron Lanier, Obermacker des Virtuellen, hat sich beklagt, dass selbst die Einträge zu seiner Person ständig von irgendwelchen Pennern mit Fehlern vollgeklatscht sind, weil die nicht korrekt recherchieren. Und im deutschen WIKI steht der Arme immer noch rot herum. Gezeichnet von Unwissenheit. Bäh.
24.05.2006
DER KARSTADT-INDIO
AUS: „KELVINS BESTIMMUNGSBUCH der STRASSENMUSIKER“




Der Karstadt-Indio gehört zur Gattung der „gemeinen Flöteriche“ und gilt unter Biologen als Kulturfolger. Er ist dementsprechend über ganz Mitteleuropa verbreitet. Man findet diesen dämmerungs- und tagaktiven Flöterich zumeist in den Großstädten, wo er das halboffene Gelände der Fußgängerzonen – besonders vor Karstadt – bevorzugt. Vergleichbare Nahrungsbedingungen findet er aber auch vor C&A, Galeria Kaufhof oder Saturn.

JAGD-TECHNIKEN
Der gemeine Karstadt-Indio geht fast immer im Rudel auf die Jagd. Seine Opfer lockt er zunächst mit einem harmlos klingenden Rhythmus an. Dabei beschränken sich nur die primitiven Formen auf simple Trommeln, in vielen Rudeln benutzen die Indios komplexe Werkzeuge wie Samples und Playback. Hat sich das neugierige Opfer dem Rudel auf wenige Meter genähert, beginnen die Männchen mit ihrem tödlichen Flöten-Vibrato, oft in schleimigen gallertartigen Terzen. Schon nach wenigen Minuten hat sich das Opfer im Schleim-Vibrato-Netz verfangen, und eines der Weibchen macht sich daran, die Beute auszuweiden, während seine Artgenossen schon die nächste anlocken.

NAHRUNG
Hauptnahrungsquelle sind kleinere Münzbeträge, allerdings kann der Karstadt-Indio bei guter Witterung auch einen kapitalen Schein erbeuten, indem er die in geschickter Handarbeit hergestellten CDs einsetzt.

AUSSEHEN
Karstadt-Indios sind mit 145-160 cm Größe deutlich kleiner als z.B. der zutrauliche „Irische Rothaar-Klampfer“. Die Männchen wiegen mit bis zu 70 kg etwas mehr als die Weibchen (65 kg). Auffällig sind die dicken gestreiften oder gefleckten Felljacken, einige tragen auch Federn, die während der Mauser nicht selten heimische Singvögel anziehen. Wie bei allen Flöterich-Arten sind bei ihm die Lippen besonders fein ausgestaltet, was ihm die Produktion des gefährlichen Vibratos ermöglicht.

KONKURRENZ
War der Karstadt-Indio bei uns ursprünglich ohne natürlich Feinde, so sieht er sich in den letzten 15 Jahren einer stetig wachsenden Zahl von Nahrungskonkurrenten gegenüber. Besonders der weißrussische Knopfquetschen-Eumel macht ihm mit seinen flinken Fingern die Nahrungsgrundlage streitig. Über Brutplätze und Aufzucht der Jungen ist so gut wie nichts bekannt, so dass Naturschützer bisher wenig tun konnten, um eine Population zu erhalten.
18.05.2006
"LASSEN SIE DIE HÜLLE FALLEN!!"

Was war das für ein Fest für die Musikpolizei: „METALLICA -Some kind of monster“. Zwei prall gefüllte DVDs, darauf die unschlagbaren Untertitel: „Mit schonungsloser Offenheit!“ und „Eines der enthüllendsten Rockportraits, die je geschaffen wurden“. (Owen Gleiberman, ENTERTAINMENT WEEKLY)

UNTERTITEL-METAL
Hut ab, liebe PR-Abteilung bei Paramount! Das ist wahrer Untertitel-Metal. Schonungslos! Mit weniger gibt sich der deutsche Kutten-Fredi auch nicht zufrieden. Und mit dem Superlativ von „enthüllend“ beweist Gleibermann (keine Ahnung Leute, kenn ich auch nicht...), dass er beim Schreiben genau so dicke Eier hat, wie Hetfield, Ulrich und Konsorten beim Gitarre-Laschen. Denn enthüllend ist ja noch nicht genug. Das ist Metal konsequent weiter gedacht. Yeah. MOSH.

ENTHÜLLEND – ENTHÜLLENDER – AM ENTHÜLLENDSTEN
Moment mal. „E_I_N_E_S der enthüllendsten...“. Nanu? Doch kein Metal? Welches sind denn die anderen enthüllendsten Rockumentarys? Fußnote? Hat sich das Rockumentary in seiner Geschichte vom enthüllenden über das enthüllendere zum enthüllendsten erst entwickelt? Oder gibt es da unterschiedliche Abstufungen bzw. Genres? So wie Grusel – Horror – Splatter? Pop – Schlager – volkstümlich?

JETZT ENTHÜLLT KELVIN
Caution: The rest of this entry contains spoilers! Klartext. Über die Hälfte des Films sitzen die 3 Rest-Metallicas am Studio-Tisch und mampfen. Dabei wird eine Menge besprochen, aber keine Akkorde. Wir erfahren, dass sie dem Psycho-Coach für seine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit „fourty thousand bucks a month“ bezahlen, dass der Manager der Band aussieht wie Catweazle (aber mit beiden Beinen im Jetzt steht) und dass James Hetfield in Russland einen Bären erlegt hat. Dem psychologisch geschulten Spezial-Agenten enthüllt das durchaus, dass Hetfield seinen Pillermann für zu klein hält und seinen Redneck-Bart zurecht trägt.
16.05.2006
MUSIK FÜR DIE STEUERERKLÄRUNG –EIN EXPERIMENT

Zurzeit experimentiere ich mit Musikberieselung beim Aufstellen der Steuererklärung. Die Grundidee ist, dass ich mit der richtigen Musik meine Leistung steigern und so schneller wieder aus der Steuer-Hölle rauskommen kann. Beim Zahnarzt klappt’s ja auch. Wissenschaftlich erwiesen ist die Wirkung von Mozart und vielen Barock-Musiken. Die höre ich aber schon grundsätzlich beim Schreiben. Also probiere ich was Neues.

TESTPHASEN I UND II
In der ersten Testphase (Suche nach wichtigen Dokumenten) lief eine CD mit algerischer Rai-Musik – faszinierend, aber zu hektisch! Die ungewohnten Klänge strapazierten nur meinen auditorischen Cortex, und ich hab Kaffee verschüttet. Harten Gitarrenrock hab ich natürlich gar nicht erst probiert. Die zweite Testphase (Einkünfte addieren) bestand dann aus österreichischer Zithermusik und brachte gute Ergebnisse. Komm nach Haus, find dein Glück....Aber irgendwann ist dann auch gut.

TESTPHASE III
Bei der Reisekostenaufstellung empfehle ich weibliche Singer-Songwriter: Kathryn Williams, Joni Mitchell und Emmylou Harris sangen wie die Nachtigallen. Die Songs von K. Williams sind ziemlich schwach; aber wenn man sie als Tonspur in die ELSTER-Steuer-Software integrieren würde, könnte das unaufdringliche Gesummse von „old low light“ vielen Menschen durch "Anhang N" helfen.

TESTPHASE IV
Morgen probiere ich dann eine halbe Stunde beim Durchforsten der Bons, wie lange man mit 80er Jahre-Hit Compilations aushält, ohne sich mit Haarspray umbringen zu wollen. Und wenn das durch ist, mache ich endlich Frühjahrsputz. Soundtrack dazu: Metallica mit "SEEK AND DESTROY". DäDäädättättättäDädääää
05.05.2006
ALLES FÜR DIE NUSS






Die Zeitungen schreiben, Keith Richards liege mit Gehirnblutung im Krankenhaus. Er hätte auf den Fidschi-Inseln mit Ronny Wood versucht, Kokosnüsse zu pflücken. Oben auf der Palme, dann abgerutscht und fast dabei draufgegangen. Das wäre für meinen Großvater, so er noch lebte, ein später Triumph, dass ein British Monkey mit seiner Dschungelmusik sein gebührendes Ende im Urwald findet. Aber noch röchelt die Bronche aus England.

Allerdings - der Fall wirft mehr Fragen auf als die Beatles No.1-Hits. Unter anderem...

- Warum dieser Absturz?
- Wie kommt Richards auf die Palme?
- Wo liegen überhaupt die Fidschis?
- Wo ist die Kokosnuss, wo ist die Kokosnuss?

Wir haben unterdes auch zahlreiche Argumente für die Vermutung, dass Richards nie auf der Palme war.

- Mit Kippe links, Whiskey rechts und Gitarre um die Schultern kommt man auf keine Palme.
- So was bringt Richards nicht ins Krankenhaus, der hatte schon ganz andere Abstürze.
- Unter einer Palme mit einem Rolling Stone in der Krone stehen unzählige Girls. Er wäre nie bis unten gefallen, ohne mindestens zweifacher Vater zu werden.

Es bleibt also abzuwarten, ob in den nächsten Tagen Röntgenbilder bei Ebay auftauchen oder ob Mick Jagger die Höhe von Keith zu toppen versucht. Jedenfalls sind es trostlose Tage, in denen Rockmusiker aus Palmen fallen und nicht mehr Fernseher aus Hotelfenstern.
02.05.2006
AUGEN AUF!

Es covert an allen Ecken und Enden, dass es einen gruselt. Die Kelvinistik als Wissenschaft der Kopie hat es schwer hinterher zu kommen. Vanilla Sky zum Beispiel. Ist zwar nur ein Hollywood-Film, aber oho...Von dem Titel irregeführt, hatte ich erst auf Cocktail-Geschäker übelster Mache getippt und Tom links liegen gelassen. Aber wie im Film musste er nicht lange auf der Straße liegen bleiben, denn man hat ja Freunde und die Stadtbibliothek Essen.

LIEBLINGSALBUM
Vanilla Sky führt tief in die Problematik des Coverns, Kopierens und Sampelns. Schließlich ist der Film selbst ein Cover von Amenábars „Abre los Ojos“. Und zwar Szene für Szene. Mit einem Original-Penelopé Cruiz-Sample, denn die war auch schon im Original dabei. In Vanilla Sky schleicht sie nun aber auch als Audrey Hepburn-Sample herum. Der Film selbst funzt nur so vor Pop-Zitaten, Cameron Crowe weiß eben Bescheid. Und David Aames’ Leben ist so ne Art Greatest Hits-Lieblings-Album. Ein Feten-Sampler. Mehr darf ich natürlich nicht sagen...

ABGESCHRIEBEN
Aber nix kommt aus dem Nix. So hat Abre los Ojos fies bei Vertigo abgeschrieben. Aber bei dem Thema (ich nenn es mal Männerprobleme mit der Liebe) kommt man wohl nicht dran vorbei. Die zwei Frauen, die Traum-Frage und die Höhenangst als zentrale Motive, das soll der spanische Trickdieb mal den Copy-Richtern erklären. Ganz im Ernst: Wer hat, lege das alte Vertigo-Video mal ein. Da lebt auch Jimmy Stewart in so einer merkwürdigen, undefinierten Beziehung (Busenfreundschaft? Buddys? Liebschaft...?) mit Barbara Bel Geddes. Die spielte später bekanntlich in „Dallas“ die Miss Ellie. Und nach der ruft Cruise in Vanilla Sky im Schlaf. Da kommt man nicht mehr mit. Ist schon gruselig.
20.04.2006
MEIN PEINLICHSTES ERLEBNIS IM WELTRAUM





Die größte anzunehmende Peinlichkeit, die mir im Weltraum-Small Talk mit Außerirdischen widerfahren könnte, sähe ungefähr so aus:

„Also ich bin von Beruf Musikpolizist....Ganz richtig, ich bin Spezial-Agent für Musik. Damit kenne ich mich aus. ... ’Johnny B. Goode?’ Klar, kenn ich. Von Chuck Berry. Hab ich schon als Kind geliebt ...... Brandenburgische Konzerte von Bach? Türlich. Kenn ich einige ......Beethovens 5te? Na, ich bin VERRÜCKT danach, genauso wie Stravinskys „Rite of Spring“. Ich verehre die Aufnahme von Pierre Boulez.....Wie bitte? Öh? "Izlel je Delyo Hagdutin,", gesungen von.....WEM?.....Valya Balkanska??

- - - HIER BITTE BLINKENDES „P“ FÜR „ÄUSSERSTE PANIK“ EINFÜGEN - - -

Nie gehört. Ich bin am Arsch. Die killen mich. Oder fliegen weiter und kommen nie mehr wieder. Nur, weil ich keine Ahnung habe und Frau Balkanska nicht kenne.

--- ENDE --- AUS --- WELTUNTERGANG ---

So weit mein Weltraum-Alptraum. Ich vermute mal, die meisten anderen Menschen kennen diese Sängerin aus Bulgarien auch nicht. So wie ich, bis vor kurzem. Nun aber suche ich händeringend nach einer Aufnahme dieser 1942 geborenen Künstlerin, deren Name nach einer schlechten Travestie-Nummer klingt. Das solltet IHR, liebe BesucherInnen, auch tun. Denn schließlich repräsentiert die Rhodopen-Liese aus Kalgut, Bulgarien... die ERDE.
Ihr Lied ist mit den anderen Stücken, die oben genannt werden, auf einer goldbeschichteten Kupferplatte unterwegs im Weltraum. Festgetackert auf Voyager 2. Sollten also irgendwann die Außerirdischen mit EUCH ins Gespräch kommen, dann sorgt dafür, dass IHR nicht so abschmiert wie der unglückliche Kelvin, der sich weltweit lächerlich gemacht hat. Was sollen die von uns denken?

NASA-HITS
Voyager 2 enthält quasi die ultimative Hit-CD der Welt. Warum ist da nun zum Beispiel Chuck Berry mit drauf und rockt durch den Kosmos? Bowie mit „Space Oddity“ wäre doch passender gewesen. Oder der Donauwalzer. „Die Sterne“ gab’s ja noch nicht. Haha. Aber bevor man sich ärgert, welche doofen Stücke mit dabei sind, sollte man sich drüber freuen, wer alles NICHT dabei ist.

--- PAUSE ZUM NACHDENKEN ---

Himmel, da habe wir alle so was von Glück gehabt. Wir hätten uns richtig blamieren können. Aber "Izlel je Delyo Hagdutin," von Valya Balkanska sollte man schon kennen!
13.04.2006
KELVINS REISE-DIAS
Berlin ist schön. Auch dort konnte das KELVINsche Missionswerk Hunderte bekehren. Sowohl in der schrulligen Scheinbar als auch beim Berliner Kabarett-Festival gingen die Menschen vor Zeugen – und vor Lachen – auf die Bretter.

ICE FOREVER
Dank an den Deutsche Bahn Ag – DJ, der mich mal wieder vom Lesen meines Wissenschaftsschmökers abhielt, weil die ausgewählte Mucke (u.a. Brahms’ 1. Klavierkonzert) aufs Heftigste Romantik in meine Synapsen pumpte. Deshalb mein Tipp an den Bahn-Reisenden: Habe stets basslastige Headphones im Handgepäck und bete, dass du ruhige Nachbarn bekommst. Lass den mp3-Player mit deiner individuellen Wohlfühl-Compi zuhause und spiel das Spiel des Lebens. Dann kannst du was erleben...Die Bahn hat für jeden was im Kanal und noch ein paar knarzende Radiosender.

STIMME GOTTES
Eines sollte allerdings klar sein: Je tiefer man quasi-religiös in die musikalische Himmelfahrt versenkt ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass einen die Stimme Gottes, genauer gesagt, des Zugführers aus dem Taumel zieht und die Umsteigemöglichkeiten von Bielefeld Hbf bis in alle Zipfel der Welt runterbetet.

STIMMUNG IM KELLER
Deutschlands berühmtester Kabarett-Keller – das Mainzer Unterhaus, hatte nun auch mich zu Gast. Im heiligen Gewölbe des Kleinkunst-Vatikans durfte ich mit optimaler Betreuung (dank an Karsten für die perfekte, aufmerksame Technik) gute Stimmung "in den Keller bringen", während drüben der sehr nette Bernard Hoecker die Massen belustigte. Mehr darf Mainz nun wirklich nicht erwarten.
 
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