Pressekritiken

 
aus: Saarbrücker Zeitung,  23.01.2006
Musikpolizist klagt an
Britney Spears klaut von sibirischen Eisenbahnern
Erstes Meisterkonzert im Sulzbacher Salzbrunnenhaus

Sulzbach. Mit einer Überraschung starteten am Freitagabend im Sulzbacher Salzbrunnenhaus die diesjährigen Meisterkonzerte. Schon bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste konnte sich der künstlerische Leiter Uwe Brandt das Lachen kaum verkneifen und verließ dann auch die Bühne mit den Worten: „Ich mach mich jetzt vom Acker, damit Kelvin mich nicht verhaftet.“ Ganz sicher wäre der Musiker Brandt auch ein geeignetes Opfer für den Musikpolizisten . . . Der trat zwar nicht, was man hätte erwarten können, in grüner Uniform, sondern im dunklen Anzug auf, seine Abenteuer bei der Jagd auf die kriminellen Copyright-Gangster übertrafen allerdings die wildesten Fantasien über die Hintergründe des Musik-Showgeschäfts.
Was Henning Schmidtke alias Kelvin nicht schon alles aufgedeckt hat! Der erste Hit von Britney Spears – geklaut von einem transsexuellen sibirischen Eisenbahner! Und Mike Oldfields „Moonlight Shadow“ – unverkennbar von einer Mozart-Sonate abgekupfert!
Hart ist das Leben bei der Musikpolizei, davon singt Kelvin viele Lieder. Aussichtslos sein Kampf gegen gewaltverherrlichende Texte in deutschen Kinderliedern angesichts zu Brei geschlagener Möpse oder durch den Wald rasender Affen, die einander kaltmachen. Der Blues ist sein Thema, wenn seine Geliebte Charline ihm den Laufpass gibt, weil sie ihren Mann öfter als ihn sieht. Und Gothic ist für ihn so traurig wie seine Steuererklärung. Vor dem coolen Bullen ist kein Musikthema sicher, famos navigiert er durch sämtliche Stilrichtungen, ist sich selbst ein begnadeter Begleiter am Klavier. Die größte Stärke des Comediens liegt im Nachahmen und Persiflieren der Größen des Musikgeschäfts.

Geheimer Liederabend

Udo Lindenberg lässt er die tragische Geschichte von Romeo und Julia singen; dann führt Kelvin das bauchgekitzelte Publikum in Herbert von Grönemeyers Wohnzimmer, wo ein geheimer Liederabend stattfindet. U2, Bob Dylan, Hermann van Veen und Reinhard Mey versuchen sich nacheinander an dem legendären „I still haven’t found what I’m looking for“ – und mit Grönemeyers unverwechselbarem Reimschema („Du bist wie Ostern ohne Eier, du bist wie Gröne ohne meyer“) und dem stimmlichen Verzweiflungsknödeln treibt Kelvin sein Programm auf die Spitze. Das Publikum ließ ihn erst nach zwei Zugaben gehen: Die Vereinigung von Reggae-Musik und dem legendären Stones-Hit zu „I can’t get no . . . Marihuana“ war dann ein Fall zum Mitsingen.
kjs 

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